Milieuübergreifend genießt die katholische Kirche in Deutschland einen nicht zu übertreffenden Bekanntheitsgrad (100 %). Für viele aber, die der Kirche nicht nahe stehen, ist sie im Alltag nicht gut sichtbar. Vielfach nehmen die Menschen die Aktivitäten und Lebensäußerungen der Kirche nicht mehr wahr. Öffentlich bemerkt werden Kirchengebäude, man hört sonntagmorgens das Läuten der Glocken und sieht im Fernsehen gelegentlich kirchliche Repräsentanten.
Bei Mitgliedern hat die katholische Kirche eher einige Imageprobleme: Sie nehmen sie als wenig beweglich wahr, und sie erscheint ihnen nicht ausreichend an der Lebenswelt der Menschen orientiert.
Das soziale, caritative und pädagogische Engagement der katholischen Kirche genießt insgesamt hohe Wertschätzung, wird aber kaum der Kirche als deren Aktivität zugeschrieben.
Die alltägliche Sinnkonstruktion vieler Menschen orientiert sich stark an individuellen Lebensphasen und -situationen des Einzelnen. Das wahrgenommene Sinnangebot der katholischen Kirche und die eigene Sinnsuche und -findung haben sich dabei auseinander entwickelt.
Das Handbuch zeigt auf, dass von der Kirche insgesamt ein „selbstbewussteres“ Auftreten erwartet wird. Katholiken wollen zudem mehr informiert und stärker umworben werden.
Traditionelle Milieus: Konservative und Traditionsverwurzelte
Bei Vertretern traditioneller Milieus, zu denen Konservative und Traditionsverwurzelte zu rechnen sind, zeichnet sich folgendes Bild ab:
- Moral und Kultur der Kirche werden als ein wichtiges Fundament unserer christlich-abendländischen Zivilisation wahrgenommen. Es gibt hier das Ideal einer klassischen Volkskirche mit dem Pfarrer als Autorität.
- In traditionellen Milieus sind auch kritische Töne festzustellen: Die katholische Kirche hält zwar fest an Positionen und Strukturen, erreicht aber in Folge dessen weniger junge Menschen.
- Kirchliche Riten und Symbole sind vielfach im Alltagsleben der Milieuvertreter verankert.
Postmoderne Milieus: Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten
Im Alltag der so genannten postmodernen Milieus (Moderne Performer, Experimentalisten und Hedonisten) kommen Religion allgemein und die katholische Kirche kaum vor. Die Studie kommt zu folgenden Erkenntnissen:
- Das Image der katholischen Kirche in diesen Milieus ist in erheblichem Maße von Klischees und der Medienrezeption bestimmt: es gibt kaum eigene Erfahrungen.
- Diese Milieus haben Probleme mit Sprache und Ästhetik der katholischen Kirche.
- Postmoderne Milieus erkennen kaum einen Nutzen ihrer „Kirchenmitgliedschaft“ und stehen einer Kirchensteuer kritisch gegenüber.
- Kirchen werden als funktionales Angebot betrachtet, das im Wettbewerb mit anderen Weltanschauungen, Philosophien etc. steht.
- Dennoch gibt es eine Bereitschaft für eigenes Engagement, d. h. für projektspezifische Mitarbeit in der Kirche.
- Moderne Performer haben hohes Interesse an allem, was ihnen Kraft und Energie für die Bewältigung extremer Alltagsanforderungen gibt.
- Hedonisten betrachten die katholische Kirche als Rettungsanker für Menschen mit sozialen und existenziellen Problemen.
Moderne Milieus: Etablierte, Postmaterielle, Bürgerliche Mitte und Konsum-Materialisten
Folgende Einstellungen lassen sich bei Vertretern moderner Milieus zusammenfassen:
- In modernen Leitmilieus (Etablierte, Postmaterielle) findet vielfach eine intensive Auseinandersetzung mit Sinnfragen statt. Hier wird die Kirche als Bewahrer von Werten und als gesellschaftliche Kraft wahrgenommen. Diese Milieus schätzen auch die christliche Hochkultur und Kunst.
- Die Kirchengemeinde hat eine wichtige Funktion als Bildungs- und Kommunikationsforum.
- Es findet eine ausgeprägte emotionale Auseinandersetzung mit der Kirche statt.
- Familie und die familiäre Nahwelt bestimmen den Alltag dieser Milieutypen.
- Sinn und Moral werden aus katholischen Angeboten, aber auch aus anderen Quellen gespeist.
- Modernen Unterschichten fehlt ein Grundwissen über religiöse Bezüge und über die katholische Kirche. Vielfach herrscht eine große Kirchendistanz vor.
- Kirche wird zum Teil als menschliches Mach(t)werk gesehen.
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