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5 Fragen an Prof. Matthias Sellmann


Interview mit Prof. Dr. Matthias Sellmann, Leiter des Zentrums für Pastoralforschung an der Ruhr-Universität, Bochum und Initiator des Webvideo-Wettbewerbs 1‘31‘‘ Glaube, Liebe, Hoffnung.

1. Prof. Sellmann, wie fällt Ihr Fazit so kurz nach den Videodays in Bezug auf Ihr „Baby“, den Video-Wettbewerb 1‘31‘‘-Glaube, Liebe, Hoffnung aus?

Sehr positiv. Der Wettbewerb, unser einwöchiges SummerCamp mit 20 jungen Talenten, die fulminante Bühnenshow unserer Siegerehrung  bei den VideoDays vor und mit  15.000 Jugendlichen – all das hat mir bewiesen, dass Youtube, dass Jugendkultur darüber reden will, wie man glaubt, was man liebt und worauf man hofft. Und dass man das sehr originell und kreativ in Szene setzt.

 

2. Was war das überraschendste „Learning“, das Sie in mehr als eineinhalb Jahren Projektarbeit hatten?

Wir haben anfanghaft gelernt, was mediale Kampagnensteuerung bedeutet – und wie nicht nur wir, sondern große Teile der kirchlich verantworteten Kommunikation hier am Anfang stehen. Wen man sich wie und unter welchen wechselseitigen Benefits zum Partner macht, wie man Impulse steuert, wie man die interne und die nach außen gerichtete Energie aufrechterhält, welches Handwerk hinter Kampagnen steht, wie man Botschaften aufeinander aufbaut und wie hart die Profis arbeiten, die all das können – das war neu für mich. Ich denke, hier sollten wir von der Kirche, aber übrigens auch von der Universität her, professioneller werden.

 

3. Sie sind Leiter des Zentrums für angewandte Pastoralforschung an der Ruhr-Universität. Inwieweit haben die Erkenntnisse aus dem Videowettbewerb Einfluss auf Ihre wissenschaftliche Arbeit?

Ich habe ja einen Forschungsschwerpunkt auf dem Thema ‚Jugendpastoral‘. Und ich muss sagen, dass gerade die mediale Begegnung mit gegenwärtiger Jugendkultur mich heilsam verunsichert hat. Ich werde sorgfältig zu forschen haben, was da eigentlich genau gerade passiert. Zum ersten Mal brauchen junge Leute keine erwachsenen Helfer und Ermöglicher, um massenhaft andere jungen Leute zu erreichen. Zum ersten Mal bekommt Authentizität einen massenmedialen Bedeutung. Zum ersten Mal bedeutet ‚verkündigen‘ wirklich ‚kommunizieren‘. All das ist pastoraltheologisch von enormer Wichtigkeit, und das wird uns in Bochum inspirieren.

 

4. Sind die sozialen Medien, insbesondere YouTube ein geeignetes Mittel, um die „verloren gegangene Jugend“ doch noch für Kirche zu begeistern?

Oh ne, so reden und so denken wir in Bochum nicht! Es gibt keine verlorengegangene Jugend! Es gibt (wie zu allen Zeiten) Jugendliche, die ihren Platz in ihrem Leben, in ihrer Kultur, in unserer Gesellschaft und auch in ihrem Dasein suchen. Und die zum Ausdruck dieser Ortssuche Medien benutzen, und zwar anders, als wir Erwachsenen das tun. Social Media ist ein qualitativer Schritt in der Evolution der Medien, den wir erst anfanghaft begreifen. Und wir von der Kirche, aber auch wir von der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft usw., tun gut daran, uns hier eher als Lernende als als Bewertende aufzuführen. Und da es in social media um Beziehung gut, um Kommunikation auf Augenhöhe und um Glaubwürdigkeit von Typ und Botschaft, sehe ich ‚Glaubenskommunikation‘ und ‚social media‘ als Geschwister!

5. Ihr Lieblings-Video unter allen Einreichungen ist…?

Sehr schwer zu sagen, da waren so viele gute Beiträge. Aber ganz persönlich hat mich berührt, wie expressiv die jungen Leute von www.nightlight.de einen Poetry Slam über das Kreuz ins Bild gebracht haben. Ja, das hat mich bewegt, muss ich sagen: Wunderschoene-Hässlichkeit.

 

Vielen Dank, dass Sie uns rede und Antwort gestanden haben.