„Verantwortung für andere übernehmen“

Mit climb haben Charlotte Frey und ihre Co-Gründerinnen sich viel vorgenommen: Sie wollen Erwachsenen und Kindern Lust aufs Lernen machen – und ihnen so zeigen, welche Potenziale in ihnen stecken.

Wie würden Sie Ihr Unternehmen und die Idee dahinter beschreiben?
Charlotte Frey: climb steht für „clever lernen, immer motiviert bleiben“. Wir machen schlaue Ferien für eine mutige Gesellschaft. Das heißt: Wir organisieren jährlich über 15 Lernferienangebote in Hamburg und NRW, bei denen Kinder, die es auf ihrem Bildungsweg nicht immer leicht haben, in den Ferien Selbstbewusstsein und Lernmotivation tanken können. Junge Erwachsene lernen dabei ihre Stärken kennen und können sich in Teamarbeit und Führungspositionen ausprobieren bzw. sich auf ihrem Bildungsweg orientieren. Angefangen haben wir im Vollzeitehrenamt, mittlerweile haben wir 15 MitarbeiterInnen und über 1000 Kinder begeistert.

Die Idee dahinter ist ziemlich einfach: Wir glauben, dass Lernen Spaß macht! Und wir glauben, dass eine gerechtere und vor allem mutigere und innovationsfähigere Gesellschaft möglich ist, wenn mehr Menschen ihre Stärken kennen und bereit sind, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Die Lernferien sind ein kleiner Raum, sozusagen ein Bildungslabor, in dem wir das heute schon leben und Kindern und jungen Erwachsenen gleichzeitig vermitteln.               

Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung und Etablierung Ihres Unternehmens?
Charlotte Frey: Wir haben aus dem Ehrenamt heraus mit einer gehörigen Portion Übermut den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – und sind dann natürlich irgendwann auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Eine Herausforderung ist und bleibt, die Tatkraft und Kreativität, den Schwung der Gründungsphase zu erhalten und gleichzeitig professionelle Strukturen zu schaffen, strategischer zu handeln und die Organisation für neue Teammitglieder zu öffnen. Das ist ein unglaublich spannender Prozess, in dem ich selber so viel lerne! Darüber hinaus ist der Klassiker natürlich die Frage nach der Finanzierung jenseits von Pilotierung. Das bleibt einfach eine Herausforderung.

Erkennen Investoren und die öffentliche Hand allmählich auch den Nutzen von Sozialunternehmen?
Charlotte Frey: Ich kann aus unseren Erfahrungen mit der öffentlichen Hand in Dortmund sagen: auf jeden Fall. Und zwar auf mehreren Ebenen: Ich glaube, dort schätzt man nicht nur die hohe Qualität und den innovative Ansatz unserer pädagogischen Arbeit, sondern mindestens genauso unser professionelles und vor allem unternehmerisches Auftreten. Es kommt natürlich sehr darauf an, mit wem man spricht – es gibt sicherlich auch Behörden, die sich davon überrumpelt fühlen. Aber gerade Kommunen, die die Dringlichkeit der Herausforderungen, denen wir uns widmen, erkannt haben, sind dankbar für jeden, der nicht lange redet, sondern bereit ist, zu handeln.

Liegen die Geschäftsmodelle der Zukunft eher im Lösen sozialer als z.B. technologischer Probleme?
Charlotte Frey: Vielleicht! Ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht, das als Gegensatz zu sehen. Wer sich an die großen sozialen Herausforderungen wagt, der sucht aber nicht das beste Geschäftsmodell. Uns treibt die Vision einer bunteren Gesellschaft an und wir leisten mit unternehmerischem Handeln unseren Beitrag dazu. Auf jeden Fall glaube ich: damit wir als Gesellschaft die volle Kraft von neuen Technologien wirklich ausnutzen können, müssen wir auch ein paar ganz handfeste soziale Fragen lösen und vor allem Menschen Mut machen, diese Technologien für sich zu nutzen.
   
Was zeichnet soziale Innovationen aus?
Charlotte Frey: Die Kombination aus gut gemeint und gut gemacht. Jeder, der schon mal geduscht hat, hatte schon mal eine gute Idee – Innovation entsteht, wenn man anfängt diese Idee wirkungsvoll umzusetzen.

Worauf sind Sie heute besonders stolz?
Charlotte Frey:
Auf junge Erwachsene wie Ann-Kristin aus Hamburg, die sich in einem Jahr mit climb von einer aufgeregten Lehrerin zu einer souveränen Projektleiterin entwickelt hat. Auf Kinder wie Hassane, die mit geradem Rücken ihre Vision ihres Stadtteils präsentieren – ohne Müll und mit viel mehr Spielplätzen. Darauf, dass wir nach 1000 erreichten Kindern und über 30 Lernferien immer noch wir sind – und jedes Mal noch ein bisschen besser werden.

Welche (anderen) Ideen haben Sie persönlich in letzter Zeit besonders begeistert?
Charlotte Frey: Ich war kürzlich mit einigen der Kindern, mit denen wir arbeiten, bei einem Programmier-Workshop der Hamburger AppCamps. Zu erleben, wie Kinder, die selbstverständlich mit Smartphone und Tablet aufwachsen, sich spielerisch die Basics der IT erarbeiten, war sehr beeindruckend – und hat auch uns Erwachsenen richtig viel Spaß gemacht!

Redaktion: dreipunktdrei mediengesellschaft mbH, www.dreipunktdrei.de