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Foto: Jörn Müller

Upcycling meets Buchhandel

Jährlich markiert der Erdüberlastungstag, dass wir die nachwachsenden Ressourcen der Erde erschöpft haben und von da an rechnerisch auf Pump unseres Ökosystems leben. 2019 war es bereits im Juli so weit. Damit hatten wir schon nach sieben Monaten mehr Rohstoffe verbraucht und Emissionen ausgestoßen, als die Erde in einem Jahr regenerieren und verkraften kann.
Eine Idee, um der systematischen Überproduktion und Ressourcenverschwendung entgegen zu wirken, ist Upcycling. Dieser Vorgang beschreibt die Aufwertung und Weiterverwendung von scheinbar nutzlos gewordenen Stoffen und Produkten. Ziel ist die Schonung der Umwelt und das Sparen von Ressourcen. Anders als beim einfachen Recycling gewinnt der Rohstoff hier sogar noch an Wert dazu. Konsumgüter werden gewöhnlich produziert, genutzt und entsorgt. Ein Gegenentwurf zu unserer Wegwerfgesellschaft ist das Konzept „Cradle to Cradle“ (C2C), zu deutsch „Von der Wiege zur Wiege“ anstelle der Bahre: Ein Wirtschaftssystem, das keinen Abfall erzeugt.

Remittenden als Ressource
Ein Prinzip, das auch hinter Martin Kraus‘ Konzept des mobilen Buchhandels Laetare steckt. Anstelle der Vernichtung hunderttausender unverkaufter Bücher, die noch dazu in meist einwandfreiem Zustand sind, sollen diese Bücher und ihre hochwertigen Inhalte Menschen auf anderem Weg zur Lektüre zugängig gemacht werden.

Seit 65 Jahren ist Kraus auf dem religiösen Buchmarkt tätig, früher als Verlagsvertreter bei Herder, später als Buchhändler, immer mit dem Ziel, dass religiöse Bücher möglichst viele Menschen erreichen und ihnen in Form des Buches Verkündigung und Seelsorge bieten sollen. Die massenhafte Vernichtung von Büchern, nur weil sie von Buchhändlern unverkauft an die Verlage zurückgeschickt wurden, ist Kraus seit jeher ein Dorn im Auge. Jedoch nicht nur aus ökologischer Sicht: Kraus hat schon früh das wirtschaftliche und seelsorgerliche Potenzial des Wiederverkaufs christlicher Bücher erkannt.

Bei Laetare erhalten Restauflagen und Remittenden deshalb ein zweites Leben – da sie nicht mehr der Buchpreisbindung unterliegen, sind sie zusätzlich stark vergünstigt. Mit Bücherständen in Kirchen, Gemeindezentren oder Krankenhäusern will der Sortimenter Kraus Menschen an Orten erreichen, an denen eine ganz besondere Empfänglichkeit für spirituelle Führung und die Botschaft des Evangeliums besteht.

Die Bücher zum Leser bringen
Das Konzept von Laetare vergleicht Kraus gern mit dem eines Museumsshops. Interessierte erwerben dort nach dem Museumsbesuch Kunstbände, Drucke oder weiterführende Literatur, sowohl als Souvenir, als auch, um sich selbstständig noch tiefer und umfassender mit dem Thema zu befassen. Die Umsätze und Verkaufszahlen dieser florierenden Shops unterstreichen die Richtigkeit dieses Vorgehens. Aus ähnlichen Gründen ist laut Kraus das Aufstellen von Verkaufsständen mit religiösen Büchern am Ausgang von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen ebenso erfolgreich. Die Bücher müssen zum potenziellen Leser kommen, dorthin, wo er sich aus anderen Gründen aufhält.

Hunderttausende verkaufte Bücher
Wenn es darum geht, einen Laetare-Shop aufzubauen, wird Kraus gerne kreativ: Stillgelegte Beichtstühle funktioniert er zu Verkaufsflächen um, die Bezahlung läuft über einen Opferstock als stummen Kassierer. Sein Erfolg gibt ihm recht, in 25 Jahren Laetare hat Kraus auf diese Weise hunderttausende Bücher verkauft. Bedenkt man, dass diese Bücher ansonsten ungelesen vernichtet worden wären, wird deutlich, mit welch großer Leserschaft die Kirche zusätzlich in einen Dialog treten könnte, um Glaubensorientierung zu bieten, christliche Werte in Erinnerung zu rufen und kraft des gedruckten Wortes die frohe Botschaft zu verkünden.

Wie geht es weiter?
Aktuell hält Kraus Ausschau nach einem potentiellen Nachfolger, jedoch nicht im klassischen Sinn. Kraus schwebt eine Umwandlung von Laetare in ein gemeinnütziges Modell, z. B. eine Stiftung vor. Diese erhielte leichter Zugang zu kirchlichen Einrichtungen, als ein privatwirtschaftlich betriebenes Kleinunternehmen. Für den Betrieb einer solchen „Stiftung“ stünde bereits ein renoviertes Haus in Recklinghausen zur Verfügung, von wo aus die Laetare-Bücherstände in den angrenzenden Bistümern Münster, Essen und Paderborn regelmäßig mit neuen Büchern aufgestockt und verwaltet werden können. In die zuverlässigen Hände solch einer gemeinnützigen Organisation will Martin Kraus gerne Teile seines Lebenswerks legen.

Welches Buch liegt wohl bei jemandem auf dem Nachttisch, der sein ganzes Leben mit literarischen Werken verbracht hat? „Ein 1.200 Seiten dicker Schmöker“, sagt Kraus. „Ken Folletts Die Säulen der Erde.“ So nennt der Baumeister im Roman ehrfürchtig die Kathedrale, deren Bau sich über Jahrzehnte zieht, unzähligen Widrigkeiten zum Trotz aber letztlich vollendet wird. Geht man seinen Weg stetig voran, wird man sein Ziel auch erreichen.

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