„Ich setze auf Kooperation.“ Die neue Geschäftsführerin des Medienhauses im Gespräch

© Harald Oppitz

Erst seit Anfang November amtiert sie als neue Chefin des Katholischen Medienhauses in Bonn, doch in der Medienszene, der säkularen wie der konfessionellen, ist Dr. Andrea Rübenacker seit Jahrzehnten zu Hause – und sieht genau deswegen gute Chancen für eine erfolgreiche kirchliche Medienarbeit. Dass für sie dazu die gute Zusammenarbeit aller Medienakteure erforderlich ist, hat sie Joachim Frank erzählt.

Frau Rübenacker, am 1. November haben Sie als neue Geschäftsführerin im Katholischen Medienhaus in Bonn angefangen. Wie war der Start?

Ich bin mit offenen Armen empfangen worden, worüber ich mich sehr gefreut habe. Aber ich bin jetzt natürlich noch in der Orientierungsphase. Der plötzliche Tod meines Vorgängers Theo Mönch-Tegeder hat eine große, schmerzliche Lücke gerissen. Aber solche Zäsuren sind natürlich auch immer die Chance, sich zu befragen, neue Akzente zu setzen, gemeinsam neue Ziele zu definieren.

Als die Nachfolgerin von Theo Mönch-Tegeder möchte ich dialogbereite Werberin sein – für das Medienhaus und seine Ideen und Aufgaben. Und so freue ich mich jetzt auf einen konstruktiven Austausch mit Mitstreiterinnen und Mitstreitern nicht nur hier in Bonn, sondern vor allem auch in den Diözesen.

Überzeugen, nicht angreifen


Wie gut sind Sie in Vorwärtsverteidigung?

Das klingt mir zu militärisch, zu aggressiv. Und militärische Konflikte produzieren immer Verlierer. Das ist nicht meine Denke. Ich möchte lieber einnehmen. Damit ignoriere ich keineswegs die schwierige Lage – gerade der kirchlichen Medienlandschaft. Aber ich glaube tatsächlich, dass kirchliche Medien eine große Chance haben, weil das Interesse an der Kirche nach wie vor hoch ist – und damit meine ich nicht unbedingt nur an der Institution, sondern vor allen Dingen an den Inhalten unseres Glaubens. Um Ihre Frage zu beantworten: Ich glaube, wir müssen überzeugend anbieten – nicht aggressiv angreifen.

Glauben Sie, dass die kirchlichen Medien ein besseres Angebot solcher Themen liefern als die säkulare Konkurrenz? Und wie überzeugen Sie die Menschen davon?

Wenn wir mit objektiv-kritischem Blick auf die säkulare Medienlandschaft schauen, müssen wir doch feststellen, dass das Wissen um Kirche und Religion(en), um den Glauben mehr und mehr verloren geht. Das ist ein Substanzverlust innerhalb der Redaktionen. Die Folge ist, dass solche Themen rein quantitativ auf dem Rückzug sind. Kirchliche Medien sind aber in der Lage, fundiert und hintergründig darüber zu berichten.

Luft nach oben sehe ich in der Art und Weise, wie kirchliche Medien mitunter kommunizieren. Eine Kommunikation von oben herab ist nicht mehr zeitgemäß. Kommunikation über Kirche und aus der Kirche heraus muss dialogischer werden. Das reicht bis hin zu einem auch über die Medien kommunizierten Eingeständnis, dass es offene Flanken oder Baustellen in der Katholischen Kirche gibt, die es zu schließen gilt. Kommunikation muss ehrlich und authentisch sein. Und sie muss ihre Zuhörer da abholen, wo sie stehen. Wir dürfen nicht über die Köpfe hinweg kommunizieren. Closed-Shop-Kommunikation ist selbstzerstörerisch.

Was haben Sie vor, um insbesondere den Sinkflug der kirchlichen Print-Titel aufzuhalten?

Ich bin ausgesprochen interessiert an einer Öffnung des Medienhauses für Kooperationen mit Redaktionen der Kirchenzeitungen, mit den Pressestellen und Kommunikationsabteilungen der Bistümer und kirchlichen Einrichtungen. Wir könnten unsere Kräfte bündeln und inhaltlich in der Kooperation stärker gemeinsame Themen setzen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es in Zeiten steigender Kirchenaustritte um das gemeinsame Streiten für unsere Themen geht.

Themen setzen und Halt geben


Wie sollte das aussehen?

Indem wir zum Beispiel Inhalte stärker synchronisieren. Ich verstehe das auch als unser Angebot an die Partner: Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir Inhalte in die Fläche bringen! Ich finde es schade, dass Vieles an Energie und Substanz verloren geht, weil alle ihre eigene Suppe kochen. Wäre es nicht denkbar, dass wir unsere Zutaten in einen Topf werfen, daraus etwas noch Gehaltvolleres zubereiten und dafür eine größere Zahl an Konsumenten finden? Und zwar gerade nicht für die Negativ-Themen, sondern für Themen, die im gesellschaftlichen Diskurs wichtig und wertvoll sind. Für Themen, die wir in Hülle und Fülle in unserem Glauben und unserer Religion finden und die – trotz der langen Tradition der Katholischen Kirche – viel mit unserem Hier und Jetzt, mit unserem Leben im 21. Jahrhundert zu tun haben. Themen, die vielleicht in einer Zeit der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten Halt und Orientierung geben könnten.

Synchronie heißt auch Synergie?

Sicher, es geht immer auch um einen effizienten Umgang mit den Ressourcen Personal und Geld.

Sie sprachen von den Schätzen kirchlicher Medienarbeit. Was erachten Sie als Ihre Kronjuwelen im Medienhaus?

Ganz sicher ist hier die KNA zu nennen. Das ist eine absolut schützenswerte Preziose – für unser Haus, aber auch für die Kirche in Deutschland. Sie braucht ein Medium, das mit einem klar erkennbaren Absender verlässliche und qualitativ hochwertige Informationen in die kirchliche wie die nicht-kirchliche Medien-Öffentlichkeit einspeist. „...aus guter Quelle informiert“, ist unser Slogan dafür. Auch den digitalisierten Filmdienst halte ich für ein wirklich einzigartiges Angebot, das eine viel weitere Verbreitung und große Aufmerksamkeit verdient hätte.

Aber die Schlachten um eine Print-Version des Filmdienstes sind und bleiben geschlagen?

Der Filmdienst hat den Sprung in die Digitalität geschafft. Das Angebot kann sich sehen lassen. Ein Zurück zum Printprodukt wird es tatsächlich nicht geben.

Interview: Joachim Frank, Chefkorrespondent der DuMont Mediengruppe und Mitglied der Chefredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Im Ehrenamt ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP).