Kennzahlen im Buchhandel - Kennen, Verstehen und Nutzen!

Investitionen und Abschreibungen

Wie hoch sollte die „Anlagenquote“ in Ihrer Bilanz sein? Wieso müssen Sie von Zeit zu Zeit neu in Ihre Buchhandlung investieren? Und warum sind Abschreibungen keine Kosten?

Diesen Fragen geht Buchhandelsberater Bernhard Meiners in diesem Artikel der Reihe „Kennzahlen im Buchhandel“ nach.

Anlagenquote
Manche haben es zuletzt bei der Gründung ihrer Buchhandlung, viele andere zuletzt vor längerer Zeit getan: ihre Buchhandlung neu eingerichtet. Diese Maßnahme ist oft mit hohen Investitionen verbunden, neue Möbel, Warenträger, Displays sowie Beleuchtung, Fußbodenbelag oder Wandverkleidungen haben ihren Preis. Schnell sind da pro Quadratmeter Verkaufsfläche 550,-- € ausgegeben. Und wenn es etwas moderner oder schicker sein soll, zeitgemäß eben, sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Kein Wunder, dass nicht alle Buchhändler ihre Einrichtung nach der gesetzlichen Nutzungsdauer von zehn Jahren gleich wieder hinauswerfen und durch eine neue ersetzen. Die Mittel müssen schließlich bar vorhanden sein – oder zumindest von einer Bank per Darlehen vorgestreckt werden.
Ist es überhaupt notwendig, seine Einrichtung so bald zu erneuern? Kann sie denn nicht als zeitlos schön angesehen werden und ein Buchhändlerleben lang halten – zumal wenn sie gut gepflegt wird? Einschlägige Einzelhandelserfahrung lehrt, dass ein neues Ambiente, eine Veränderung am Erscheinungsbild und der Einsatz frischer Farben und zeitgemäßer Möbel die Neugier, Aufmerksamkeit und das Interesse Ihrer Kunden ganz neu wecken, Spontankäufe erhöhen und Ihren Umsatz stärken werden. Sie kennen das aus dem Einzelhandel anderer Branchen: es wurde mal wieder umgeräumt und die Kunden finden sich nicht mehr zurecht. Ärgerlich! Dafür finden sie jetzt Artikel und Waren, die ihnen vorher nie in’s Auge gefallen sind. Nutzen auch Sie diese Erkenntnis, verändern Sie mutig die Verteilung der Sortimente in Ihrem Laden und sorgen Sie hin und wieder für eine frische Anmutung, vielleicht sogar durch ein paar neue Warenträger oder eine völlige Umgestaltung! Im Idealfall kommen Ihre langjährigen Kunden sogar auf Sie zu und fragen nach gewohnten Sortimenten. Dieses Verkaufsgespräch ist keine Störung, sondern der Glücksfall für Sie. Selbst verärgerte Kunden können so mit Ihnen in‘s Gespräch kommen! Gehen Sie außerdem nach einer Neugestaltung aktiv auf Ihre Kunden zu und sprechen Sie sie an.

Ab wann aber ist es Zeit für diese Aktualisierung? Die Anlagenquote, eine Kennzahl der Bilanz, spricht da eine ganz klare Sprache: spätestens wenn sie bei 0,1 liegt, ist es Zeit für eine Neuinvestition. Die Quote von 0,1 bedeutet, dass die Bilanzwerte des Anlagevermögens 10 % Ihrer Bilanzsumme betragen (Berechnung: Anlagevermögen in € geteilt durch Bilanzsumme in € ). Hierin enthalten ist Ihre Betriebs- und Geschäftsausstattung, also Ihre Ladeneinrichtung, die EDV, das Firmen-Kfz, ggf. auch die Immobilie selbst sowie die „Immateriellen Vermögensgegenstände“, also alle Lizenzen und Rechte, die Ihrer Buchhandlung gehören.
Achten Sie in Ihrer neuen Bilanz doch einmal auf die Anlagenquote – und auch auf Ihr Bauchgefühl, ob nicht eine Reinvestition nötig wäre.

Für die Bilanzfreunde unter den Buchhändlern: bei einer Neuinvestition steigen die Werte Ihres Anlagevermögens auf der Aktivseite Ihrer Bilanz (linke Hälfte). Bezahlen Sie die Investition aus eigenen liquiden Mitteln, sinken im gleichen Umfang Ihre liquiden Mittel im Umlaufvermögen Ihrer Bilanz, ebenfalls auf der Aktivseite („Aktivtausch“) und Ihre Bilanzsumme bleibt davon unberührt. Nehmen Sie zur Bezahlung aber ein Darlehen auf, steigen auf der Passivseite Ihre langfristigen Verbindlichkeiten an Kreditinstitute und Ihre Bilanzsumme wächst („Bilanzverlängerung“).

Tipps:
Warten Sie nicht so lange, bis Ihre Anlagenquote bis auf 10 % gesunken ist. Halten Sie sich auf dem Laufenden, welches Ambiente für Ihre Zielgruppe zeitgemäß und attraktiv ist. Handeln Sie frühzeitig, spätestens alle zehn Jahre. Und ganz wichtig: legen Sie jedes Jahr Mittel für eine Reinvestition zurück! Faustformel: wenn Sie alle zehn Jahre neu investieren wollen, sollten Sie jedes Jahr 10 % der geplanten Investitionssumme gezielt zurücklegen.
Verlassen Sie sich nicht auf ein Bankdarlehen, denn dann müssen Sie nicht nur die Darlehenstilgung erwirtschaften, sondern auch die Zinsen auf das Darlehen - und warum sollte Ihnen das nach der Investition so einfach gelingen, wenn zuvor nicht einmal das Ansparen der reinen Investitionssumme möglich war. Wirtschaftlich vertretbar ist ein Darlehen maximal in Höhe von 50 % der Investitionssumme.

AfA – Ansetzung für Abnutzung
Bei den AfA-Sätzen handelt es sich landläufig um die Abschreibungsbeträge. Im Amtsdeutsch sind damit die Beträge gemeint, die Sie in Ihrer Buchhaltung für die Abnutzung des Anlagevermögens ansetzen, also buchen dürfen. Diese ergeben sich aus der behördlich vorgesehenen Nutzungsdauer für die verschiedenen Anlagegüter. So liegen bspw. die Nutzungsdauern von Immobilien derzeit bei 50 Jahren, von Warenträgern, die nach dem 31.12.2000 angeschafft worden sind, bei zehn Jahren (davor: sieben Jahre) und von EDV bei drei Jahren. Das bedeutet, dass der AfA-Satz der Ladenmöblierung bei 10 % des Netto-Anschaffungspreises pro Nutzungsjahr liegt. Der Restwert des Anlagevermögens mindert sich jedes Jahr um diesen Abschreibungsbetrag. Der Restwert wird in die Bilanz übernommen und führt von Jahr zu Jahr zu immer geringeren Beträgen von Anlagevermögen in Ihrer Bilanz.
Die Buchung dieser Abschreibungsbeträge verringert gleichzeitig Ihr (steuerliches) Betriebsergebnis. Dennoch handelt es sich nicht um echte Kosten, also um Geldabfluss, sondern nur um Aufwand, da Sie ja während der Nutzungsdauer kein Geld mehr ausgeben.
Eine andere Faustformel besagt, dass Sie zumindest diese Abschreibungsbeträge ansparen sollten, um zum Zeitpunkt der Reinvestition genügend liquide Mittel angespart zu haben.
Die Aufwendungen für Abschreibungen des Anlagevermögens liegen laut Betriebsvergleichs des Instituts für Handelsforschung an der Universität zu Köln (IfH) durchschnittlich bei 0,9 % vom Umsatz (Wert von 2012).

Fazit:
Der Buchhändler kann sich wie der Einzelhändler die Umsatzeffekte einer Neugestaltung des Ladens zu Nutze machen. Neben der optischen Erscheinung Ihrer Ladeneinrichtung zeigt Ihnen die Anlagenquote in Zahlen, wie alt Ihre Betriebs- und Geschäftsausstattung schon ist. Warten Sie nicht zu lange, sondern planen Sie bereits nach jeder erfolgten Neueinrichtung des Ladens bereits aktiv die nächste! 

Die Werte der Kennzahlen aus den Betriebsvergleichen
des IfH (2011) und des KM. (2012) auf einen Blick

Anlagenquote:                              mindestens 10 % der Bilanzsumme
Aufwand Abschreibungen     0,9 % vom Umsatz (IfH

 
Ausblick: Im elften Teil geht es um Ihre Warengruppen.